Minimale Welt

Die Fotografie auf Ihre Essenz reduzieren - mit Stephan Opitz

Der Fotograf Stephan Opitz ist Wahl-Berliner, strandet jedoch über seine Arbeit als Geologe immer wieder in den entlegendsten Zipfeln der Welt. In seiner Galerie bei Photocircle zeigt er uns Tibet und Shanghai, Millionen-Metropolen, Nomaden und Niemandsland.

TIBETAN PLATEAU, STUDY, # 9 von Stephan Opitz

TIBETAN PLATEAU, STUDY, # 9 von Stephan Opitz

Stephan Opitz – Du sagst, Photographie hilft Dir dabei, anderen Deine Sicht der Dinge näher zu bringen. Was darf man sich denn unter Deiner Sicht der Dinge vorstellen?

Im Laufe der Zeit versucht jeder Fotograf eine eigene Bildsprache zu entwickeln. Dies ist wichtig um der eigenen Sichtweise eine gewisse Struktur und einen Ausdruck zu geben und um sich mit seinen eigenen Bildern von anderen Fotografen abzugrenzen. Für mich wichtige Themen verarbeite ich gerne in Bildserien, um verschiede Aspekte eines Themas aufzugreifen. Es gibt aber auch Einzelbilder, die eine starke Wirkung erzielen können. Diese Bilder sind mir aber leider noch nicht so oft gelungen. Beispielsweise habe ich in der Serie Shanghai versucht, die Kontraste zwischen „arm und reich“ und „alt und neu“ zu dokumentieren. Mir kommt es hauptsächlich darauf an, dass der Betrachter einen Eindruck vom steten Wandel in dieser Metropole bekommt.

SHANGHAI STUDY, # 2 von Stephan Opitz

SHANGHAI STUDY, # 2 von Stephan Opitz

QINGDAO von Stephan Opitz

QINGDAO von Stephan Opitz

SHANGHAI STUDY, # 7 von Stephan Opitz

SHANGHAI STUDY, # 7 von Stephan Opitz

In der Serie Tibetan People lag mein Fokus darauf, die Menschen auf dem Hochland von Tibet ganz natürlich und ungestellt zu porträtieren. Diese Bilder entstanden meist spontan und ohne viel Technik. Bei der Aufnahme der Bilder war es mir wichtig, etwas von diesen Menschen „mitzunehmen“, zu bewahren und andere Menschen daran teilhaben zu lasse

TIBETAN PEOPLE, # 8 von Stephan Opitz

TIBETAN PEOPLE, # 8 von Stephan Opitz

TIBETAN PEOPLE, # 5 von Stephan Opitz

TIBETAN PEOPLE, # 5 von Stephan Opitz

Die Aufnahmen mache ich in erster Linie für mich, ich habe aber natürlich auch Freude daran, diese Bilder mit Anderen zu teilen. Positives wie auch negatives Feedback der Betrachter ist mir sehr willkommen, um weiter an der eigenen Bildsprache zu arbeiten und diese zu verbessern.

TIBETAN PEOPLE, # 2 von Stephan Opitz

TIBETAN PEOPLE, # 2 von Stephan Opitz

TIBETAN PEOPLE, # 6 von Stephan Opitz

TIBETAN PEOPLE, # 6 von Stephan Opitz

Deine Bilder strahlen eine unglaubliche, schwer zu definierende Ruhe aus – egal, ob Himalaya oder Großstadt. Wie machst Du das?

Das liegt möglichweise daran, dass ich die Fotografie nutze, um selbst zur Ruhe zu kommen. Ich kann beim Fotografieren wunderbar abschalten und den Alltag vergessen. Bei der Aufnahme versuche ich, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und nicht mehr als nötig für den Bildaufbau zu verwenden. Er ist dabei der Schlüssel zum Erfolg, denn wenn hier etwas nicht ausgewogen ist, geht die Wirkung schnell verloren.

YANGTZE von Stephan Opitz

YANGTZE von Stephan Opitz

Als Format nutze ich das Quadrat, welches für mich das harmonischste Bildformat in der Fotografie ist. Es bietet zwar nur eingeschränkte Möglichkeiten für den Bildaufbau, aber es strahlt als Formatgrundlage eine gewisse Eleganz und sehr viel Ruhe aus. Hinzu kommt, dass ich die Bilder in schwarzweiß umwandle und gerne mit starken Kontrasten arbeite, um Strukturen besser herauszuarbeiten. All diese Punkte zusammen erzeugen wohl den Eindruck von Ruhe in meinen Bildern.

Dein Spezialgebiet ist also die Schwarzweißfotografie, Du sagst „Farben lenken ab.“ Was meinst Du damit?

TIBETAN PLATEAU, STUDY, # 10 von Stephan Opitz

TIBETAN PLATEAU, STUDY, # 10 von Stephan Opitz

Ich habe grundsätzlich nichts gegen Farben, denn die Welt wäre ohne Farben nur halb so schön. An der Schwarzweißfotografie fasziniert mich aber vor allem die große Facette an Grauwerten, die Kontraste und die Reduktion auf das Wesentliche. Viele Bilder mit starken Strukturen wirken in Schwarzweiß oft viel intensiver als in Farbe und bekommen dadurch oft eine ganz andere Wirkung. Das hängt aber auch immer ein wenig vom Motiv und der eigenen Bildsprache ab. Hinzu kommt, dass Schwarzweiß aus meiner Sicht beruhigend wirkt. Ich schließe nicht aus, auch wieder Bilder in Farbe zu veröffentlichen. Momentan habe ich aber große Freude an der Schwarzweißfotografie und fühle mich damit sehr wohl.

Hast Du einen persönlichen Favoriten in Deinem Portfolio? Was ist besonders an diesem Bild?

Es gibt kein Bild bei dem ich sagen würde, dass es mein Lieblingsbild ist. Vielmehr verbinde ich mit einigen Bildern bestimmte Momente oder Situationen. Das Bild „Yangge“ einer Tänzerin schaue ich mir immer wieder gern an, weil es mich an eine ganz bestimmte Zeit während meines Auslandstipendiums in Nanjing erinnert. Fast wäre das Bild nicht entstanden, da ich nach einem Infekt mehrere Tage krank im Bett lag. Freunde überredeten mich dann aber zu einer Kunstveranstaltung mitzugehen. Bei dieser Veranstaltung gab es zum Abschluss eine klassische Tanzaufführung von einer chinesischen Tänzerin, die mich sehr beeindruckt hat. Ich habe versucht, trotz der schwierigen Lichtverhältnisse ohne Blitz und mit einem hohen Isowert einige Bilder mit einem 50mm Objektiv zu machen. Drei der Bilder kann man in der Kategorie China auf meiner Webseite sehen. Ich erinnere mich immer wieder gerne daran zurück und bin froh, dass ich diese Aufführung nicht verpasst habe.

YANGGE von Stephan Opitz

YANGGE von Stephan Opitz

Viele Deiner Bilder sind im Kontext Deiner Arbeit als Wissenschaftler entstanden. Was genau machst Du denn, wenn Du nicht gerade fotografierst?

Ich bin von Beruf Geologe und hatte während meines Studiums und meiner Doktorarbeit immer wieder die Gelegenheit, an Expeditionen teilzunehmen, die mich in ferne Länder führten. Bei den Forschungsarbeiten geht es hauptsächlich um Fragen der Landschaftsentwicklung und des Klimawandels innerhalb der letzten circa 35.000 Jahre. Die Arbeiten zu meiner Doktorarbeit fanden beispielsweise auf dem Hochland von Tibet statt. Die Zeit im Gelände ist zur wissenschaftlichen Arbeit sehr wertvoll. Zeit zum Fotografieren habe ich leider nur sehr selten gefunden.

TIBETAN PLATEAU, STUDY, # 6 von Stephan Opitz

TIBETAN PLATEAU, STUDY, # 6 von Stephan Opitz

TIBETAN PLATEAU, STUDY, # 5 von Stephan Opitz

TIBETAN PLATEAU, STUDY, # 5 von Stephan Opitz

TIBETAN PLATEAU, STUDY, # 4 von Stephan Opitz

TIBETAN PLATEAU, STUDY, # 4 von Stephan Opitz

Dein nächstes Projekt?

Ich habe einige Ideen für neue Projekte, jedoch fehlt mir momentan ein wenig die Zeit, diese auch umzusetzen. Eines dieser Projekte wird paläontologische Ausstellungsstücke zum Thema haben. Bei einem weiteren Projekt möchte ich mich wieder mehr der Architekturfotografie widmen. Ich hoffe, diese Ideen bald verwirklichen zu können, und ich würde mich freuen, wenn einige der Bilder dann auch wieder auf Photocircle präsentiert werden können!

Stephan Opitz’ Arbeiten könnt Ihr Euch direkt aus seiner Galerie bei Photoircle nach Hause bestellen. Für Neuigkeiten und noch mehr Infos lohnt sich außerdem ein Blick auf seine Website!

TIBETAN PLATEAU, STUDY, # 2 von Stephan Opitz

TIBETAN PLATEAU, STUDY, # 2 von Stephan Opitz